Die Stadtgemeinde Wörgl stellt die Live-Übertragung der Gemeinderatssitzungen künftig ein. Diese Entscheidung wurde lt. einer Presseaussendung der Stadtgemeinde Wörgl nach Prüfung organisatorischer Abläufe, laufender Kosten sowie der bisherigen Erfahrungen mit dem Format getroffen.
Die technische Umsetzung inklusive der Betreuung und Nachbearbeitung verursache dauerhaft personelle und finanzielle Aufwände. Gleichzeitig zeige die Auswertung, dass die tatsächliche Nutzung der Live-Übertragungen vergleichsweise gering sei. „Die bisherigen Erfahrungen haben zudem gezeigt, dass Live-Übertragungen politische Debatten nicht in jedem Fall sachlich und verständlich abbilden. Einzelne Wortmeldungen oder kurze Sequenzen können ohne Kontext missverständlich wirken und die Aufmerksamkeit von den eigentlichen Entscheidungen und Ergebnissen ablenken“, so die Erklärung. Als Alternative etabliert die Stadtgemeinde Wörgl in Zusammenarbeit mit dem Verein komm!unity ein neues, digitales Informationsformat. Künftig sollen die wesentlichen Beschlüsse, Entscheidungen und Hintergründe aus den Sitzungen über die bestehenden digitalen Kanäle neutral, kompakt und verständlich zusammengefasst veröffentlicht werden.

Kritik
Für GR Gabi Madersbacher (Liste Hedi Wechner) ist dies ein deutlicher Rückschritt in Sachen Transparenz.  „Live-Streams sind für die Bevölkerung ein direktes und ungefiltertes Fenster in die politische Arbeit, insbesondere in Debatten und Entscheidungsprozessen. Politische Entscheidungen sollten nachvollziehbar und unmittelbar erlebbar sein. Dies vor allem in einer Zeit, in der das Vertrauen in die Politik zunehmend unter Druck steht“, erklärt Madersbacher. Protokolle oder Zusammenfassungen würden die tatsächliche Debatte mit all ihren Argumenten, Argumentationslinien, Zwischentönen und Konflikten nicht ersetzen können. Auch StR. Christian Kovacevic (Liste Hedi Wechner) kritisiert die Einstellung der Live-Übertragungen: „Dass nun der Live-Stream eingestellt wird, ist ein weiterer Beweis für maximale Intransparenz und absolut fehlendes Demokratieverständnis des Wörgler Bürgermeisters.“  Finanzielle oder organisatorische Überlegungen können lt. Kovacevic  nicht der Grund für die Einstellung der Live-Übertragung sein. Die erfolgreiche und vergleichsweise kostengünstige Umsetzung habe sich über Jahre hinweg etabliert. „Das gut angenommene Angebot beweist das ungebrochen hohe Interesse der Bevölkerung an den öffentlichen Sitzungen. Statt die Bevölkerung an den wichtigsten Entscheidungen der Stadt teilhaben zu lassen, wird lieber altmodische Hinterzimmerpolitik betrieben“, konkretisiert Kovacevic.

Online-Petition
Unter mein.aufstehn.at wurde inzwischen eine Petition für Live-Streaming der Wörgler Gemeinderatssitzungen gestartet. Bis Montag, 19. Jänner, 12 Uhr, wurde die Petiton 472 mal unterschrieben.


Die Wörgler Gemeinderatssitzungen werden künftig nicht mehr live übertragen.