Nach dem Rücktritt von Vize-Bgm. Roland Ponholzer (Wir für Wörgl) wählte der Wörgler Gemeinderat vergangenen Mittwoch, 1. Juli, einen neuen 2. Vizebürgermeister. Vorschlagsberechtigt waren die im Stadtrat vertretenen Fraktionen Wörgl Bewegen (ÖVP), die Liste Hedi Wechner sowie Wir für Wörgl.
Wörgl Bewegen schickte den ehemaligen Vizebürgermeister Hubert Aufschnaiter (2016 bis 2022) ins Rennen, die Liste Wir für Wörgl Astrid Rieser. Letztere gehört erst seit dem  Ausscheiden Ponholzers dem Stadtrat an.
Die Liste Hedi Wechner konnte sich laut GR Gabi Madersbacher weder auf den Fraktionsvorsitzenden StR. Christian Kovacevic, noch auf GR Emil Dander als Kandidaten einigen. Aufgrund dieser fraktionsinternen Pattstellung konnte kein Wahlvorschlag eingebracht werden. 

Scharfe Kritik 
StR. Christian Kovacevic übte in einer Aussendung scharfe Kritik an seinen Fraktionskollegen: „Als Fraktionsvorsitzender der zweitstärksten Fraktion im Gemeinderat  wäre ich aus demokratiepolitischen Überlegungen durchaus eine naheliegende Option für die Nachbesetzung als 2. Bürgermeister-Stellvertreter unserer Stadt gewesen. Trotzdem hat die Liste Hedi Wechner keinen Kandidaten nominiert.“ Er habe sich nicht beworben, da seine Fraktionskollegen Dander und Pertl seine Kanditatur verhindert hätten. „Die beiden Mandatare der Liste Hedi Wechner unterstützen – in enger Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister – lieber einen ÖVP-Kandidaten der Bürgermeisterliste, als einen Kandidaten der eigenen wahlwerbenden Liste und tragen somit dazu bei, dass nun die drei höchsten Ämter in unserer Stadt von ein und derselben Fraktion bekleidet werden“, kritisiert Kovacevic. 

Überraschendes Aus für Werlberger
In einer geheimen Wahl entfielen schlussendlich 14 Stimmen auf Aufschnaiter, sieben Mandatare stimmten für Rieser. Da ein Vizebürgermeister auch im Stadtrat vertreten sein muss, verliert Elisabeth Werlberger (Wörgl Bewegen) ihr Stadtratsmandat. Dies verkündete die neue Stadtamtsdirektorin Christina Geisler zur Überraschung der meisten Gemeinderäte am Ende der fünfstündigen Sitzung. Offenbar hat auch Werlberger selber nicht damit gerechnet – sie verließ nach der Verkündung wortlos den Saal des VZ Komma Wörgl.

Was steckt dahinter?
Bei der Gemeinderatswahl im Jahr 2022 war Werlberger hinter Riedhart eigentlich als Listenzweite gereiht. Nicht nur Vize-Bgm. Kayahan Kaya wurde aufgrund seines Direktmandates vorgereiht, auch StR. Thomas Embacher (alle Liste Wörgl Bewegen, ÖVP) sicherte sich damals genug Vorzugsstimmen für eine listeninterne Vorreihung. 
In einer Presseaussendung kritisierte Werlberger jetzt die Vorgehensweise: „Bis zum Zeitpunkt der öffentlichen Mitteilung im Gemeinderat wurde weder seitens des Bürgermeisters noch seitens der Fraktion das persönliche Gespräch mit mir gesucht. Über eine Entscheidung mit weitreichenden politischen und persönlichen Konsequenzen wurde ich weder vorab informiert noch in irgendeiner Weise eingebunden.“
Trotzdem will sich Werlberger weiterhin mit voller Kraft, mit Respekt vor demokratischen Grundsätzen und mit einem klaren Werteverständnis für die Menschen in Wörgl einsetzen.

Angelobung
Bereits einen Tag nach der Sitzung wurde der neue Vize-Bgm. Hubert Aufschnaiter durch BH Kurt Berek in der Bezirkshauptmannschaft Kufstein angelobt.


Angelobung des neuen Bürgermeister-Stellvertreters: BH Kurt Berek, Vize-Bgm. Hubert Aufschnaiter und Bgm. Michael Riedhart (v. l.)
Foto: Land Tirol


GR Elisabeth Werlberger verlor ihr Stadtratsmandat.
Foto: Wundara